X

Das erste Mal sehe ich X bei einer Veranstaltung, bei der sie als Referentin spricht. Nach den Vorträgen und einer offenen Diskussionsrunde kommen wir ins Gespräch. Ich stelle X das Projekt vor und frage, ob sie teilnehmen möchte. Leicht nostalgisch schaut sie sich die analoge Kamera an und wir tauschen Nummern aus.

Nun treffen wir uns im selben Gebäude wieder; statt im offenen Café sitzen wir dieses Mal in einem Gruppenraum. Die Tische sind in einem Quadrat angeordnet; bis auf den Baustellenlärm vor dem Fenster sind wir ungestört. Nachdem X sich ein Glas Wasser eingeschüttet hat, frage ich, wie das Fotografieren geklappt hat und wie sie dabei vorgegangen ist. „Mein Ansatz war im Grunde, dass ich die Sachen fotografiere, die ich auch in meinem Leben habe“, erklärt sie. „Ob das jetzt Astronomie oder eben halt das Malen ist. Oder ich mag Afrika, deswegen hab ich versucht, irgendwas mit Afrika zu haben. So bin ich daran gegangen.“

Das erste Bild, was ich zwischen uns lege, zeigt einen Tisch mit Büchern und ein Schild mit der Schrift „Willkommen“. An dem Tisch, so erklärt X mir, trifft sie sich zwei Mal im Monat mit ihrem Lesekreis. X liebt es, zu lesen – eigentlich schon immer – und sie liebt es, sich auszutauschen. Im Lesekreis besprechen sie und die anderen Teilnehmer:innen Bücher, die sie in letzter Zeit gelesen haben, oder sie geben sich selbst wechselnde Themen, zu denen sie Bücher suchen. Das nächste Thema der Lesegruppe: Geheimnisse. Vor anderthalb Jahren – während der Pandemie – ist der Lesekreis entstanden; mittlerweile trifft man sich in Präsenz. Manchmal unternimmt die Gruppe auch andere Dinge: Sie gehen essen oder schauen einen Film im Kino. X ist eigentlich immer viel unterwegs, auch privat, erzählt sie mir jetzt. „War das immer schon so?“, frage ich sie. „Ja! Auch als ich noch arbeiten ging. Jetzt bin ich ja schon in der vollen Erwerbsminderungsrente. Aber als ich arbeiten ging, war ich auch sehr viel unterwegs. Ich hab auch keine Kinder, von daher war es ja auch ganz gut möglich, auch abends und so.“ Früher arbeitete sie in einer Zahnarztpraxis. „Ich war – oder bin – zahnmedizinische Fachangestellte. Früher Zahnarzthelferin“, sagt sie lachend. 2010 wird sie dann berentet. „Ich hatte ne Krebserkrankung, mit Depressionen, die ich daraus leider bekommen habe. Gott sei Dank ist jetzt alles wieder gut, sowohl Krebs als auch Depression. Und dadurch bin ich berentet worden.“ Die Krebsdiagnose erhält sie bereits 2007, es folgen Krankenhausaufenthalte, Chemotherapie, Reha.

Ich frage sie, was ihr in der schweren Zeit der Krankheit geholfen hat. „Ich hab ja zwei Mal ne Reha gemacht, ne medizinische, und da bin ich wieder ans Malen gekommen. Was so ein bisschen verloren war, in meinem Leben. Ich hab als Jugendliche und Kind sehr gerne gemalt. Und das ist dann dadurch wieder entstanden. Die hatten so ne Kunsttherapie da gehabt, und da mach ich auch sehr viel mit Malerei.“ Seit sie das Malen wieder für sich entdeckt hat, spielt es eine wichtige Rolle in ihrem Leben. „Wenn mir mal… ja, so irgendwie so ist, ne? Nicht so ist, wie’s sein sollte. Dann schnapp ich mir meine Sachen und fang einfach an zu malen. Ich hab auch immer was dabei. Dann hab ich son kleines Büchlein, und dann mach ich einfach solche Sachen“, sie zeigt mir ihre Zeichnungen: geometrische Muster, Mandalas, verwobene Zeichnungen mit feinen, schwarzen Linien. „Da kommt man schön runter“, sagt sie lächelnd. Sie malt täglich, „Und wenn ich nur ne Serviette irgendwo vollkritzel.“

Das nächste Bild ist hier in dem Gruppenraum entstanden, in dem wir sitzen. „In dem Schrank ist unser Kreativmaterial“, sie zeigt auf die Ecke des Raums, „und ich mach hier für die Leute, die hier betreut werden, mach ich die Kreativgruppe. Da malen wir, aber eben auch basteln. Dann guck ich mir dann schon mal Sachen an, was man mit den Leuten machen kann, niederschwellig, was nicht so schwierig ist.“ Ich frage sie nach der Zielgruppe: Wer sind die Menschen, die zu dem Kreativangebot kommen? „Die Aidshilfe ist ja auch ein Betreuungsverein“, erklärt sie. „Hier werden Leute betreut. Da sind HIV-Positive dabei oder eben auch nicht. Und davon sind die Leute dann.“

Seit Ende 2014 ist sie ehrenamtlich bei der Aidshilfe tätig; dort, wo ich sie auch kennengelernt habe. „Da war zuerst die Frauengruppe, dann gibt’s hier ne Frühstücksgruppe, da hab ich dann teilgenommen. Und dann hab ich gesagt: ‚Mensch Leute, lasst uns doch mal eine Kreativgruppe machen!‘ Dann hab ich noch son Flyer entwickelt, das ist auch ein Bild von mir, was darauf zu sehen ist. Cook For Fun gibt’s auch noch, da wird einmal im Monat gekocht, mit HIV-Positiven, aber da bin ich jetzt so als Teilnehmerin dabei. Und dann gibt’s noch das Fit For Fun, dat is das neuere Baby, um ganz niederschwellig mit Leuten mal nen bisschen rauszugehen, spazieren zu gehen. Vielleicht auch jetzt mit dem 9-Euro-Ticket mal ne Fahrt zu machen, oder einfach nur in die Gruga oder so.“

„Kannst du nen bisschen erzählen, wie du auf die Aidshilfe gekommen bist?“, frage ich. „Ja, ich bin selber HIV-positiv und da war – weil ich ja sowieso ein Selbsthilfe-Mensch bin – war’s für mich eigentlich ganz klar, hierherzugehen.“ Ich frage sie, seit wann sie HIV-positiv ist. „Ich hab meine Diagnose im August 2014 bekommen. Aber ich muss schon seit ungefähr 2000 positiv gewesen sein. Ich bin 14 Jahre unbehandelt und anfänglich auch unsymptomatisch durch die Gegend gelaufen und erst so 2010, 2011 fing das an mit verschiedenen Symptomen, die dann auf Aids hindeuteten. Hat sich dann auch bestätigt. Aber ich musste ziemlich von Arzt zu Arzt laufen und hab alles Mögliche auch unternommen. War selbst bei einem Spezialisten, der jetzt aber nicht mehr – der ist auch in Rente gegangen – in Essen, der auch HIV-positive Menschen behandelt, der ist Hämatologe. Und selbst der ist nicht auf den Gedanken gekommen, der hatte gedacht, ich hab ne Autoimmunerkrankung.“ – „Kannst du dir erklären, warum?“, frage ich sie. „Ich gehöre nicht zu der …“, sie pausiert. „Was man sich vorstellt?“, vervollständige ich vorsichtig Satz. „Was man sich vorstellt“, bekräftigt sie. „Frau, heterosexuell, verheiratet. Weder drogenabhängig, noch dass ich auf den Strich gehe oder was weiß ich. Aber ich glaube schon, anhand der Symptome – nachdem, was ich heute über HIV weiß – hätte zumindest dieser Arzt es wissen müssen. Oder mal ansprechen müssen: ‚Sollen wir nicht mal nen Test machen?‘“ Sie erzählt mir von den Symptomen, mit denen alles anfing. „Ich hatte anfänglich massive Durchfälle. Dadurch hab ich 25 Kilo oder so abgenommen, und ich hab gegessen wie‘n Weltmeister. Anfänglich war das ja noch ganz lustig, abzunehmen, weil ich war vorher ungefähr so wie jetzt auch. Aber dann hörte das irgendwann einfach auf.“ Alle möglichen Untersuchungen wurden gemacht: Magenspiegelung, Darmspiegelung – ohne Ergebnisse. Dann folgten blaue Flecke, überall an ihren Extremitäten. „Weil ich keine Thrombozyten mehr hatte, also fast keine mehr. Und da wurd ich eben zu diesem Hämatologen überwiesen, der auch HIV-Patienten behandelte, und der meinte, Autoimmunerkrankung, eventuell die Milz entfernen.“ Das Antidepressivum, das sie damals noch nahm, sollte sie absetzen, dann bekam sie Kortison. „Gott sei Dank wurd mir nichts rausgenommen, das wollt ich dann doch nicht so einfach mal eben.“ Ihr Arzt, der sie wegen ihres Blasenkrebses behandelt hatte, forscht nach: Haben ihre Symptome mit der Chemotherapie zu tun? Auch die Neurologin, die das Antidepressivum verschrieben hat, sucht nach einer Erklärung in Verbindung mit dem Medikament. „Ja, und irgendwann war auch das wieder weg. Merkwürdigerweise. Und dann kam eine typische Lungenentzündung, die man nur hat, wenn das Immunsystem absolut im Keller ist, nur dann bekommt man’s, ein gesunder Mensch erkrankt daran nicht, auch, wenn er mit den Erregern zusammenkommt.“ Zu der Zeit ist sie bereits im Krankenhaus, hat hohes Fieber, bekommt verschiedene Antibiotika. Schließlich wird unter Narkose eine Probe aus ihrer Lunge entnommen und festgestellt, dass sie an PCP erkrankt ist – der typischen Lungenentzündung, die fast nur bei HIV-positiven Menschen auftritt. „Und da hat man mich gefragt, ob ich einen HIV-Test machen möchte. Ich sag: ‚Bitte machen sie‘s, ich möchte gerne wissen, was ich habe!‘“ Das war im August 2014.  „Die haben mich dann sofort ins Uniklinikum und direkt auf die entsprechende Station verlegt und die haben natürlich sofort Medikation gegeben und dann ging’s mir eigentlich nach drei Tagen schon wieder viel besser durch die Medikation.“ Zu dem Zeitpunkt hat ihr Immunsystem kaum noch genügend Helferzellen. „Ich war eigentlich gar nicht so erschüttert oder so was, sondern ich war einfach nur froh, zu wissen, was ich hatte. Und behandelt werden zu können.“

„Hast du dich gefragt, wie das passieren konnte?“, frage ich. „Natürlich! Ich war ja zu dem Zeitpunkt noch mit meinem Mann zusammen; ich hatte ihn ja in Verdacht, weil ich selber hab monogam gelebt und wir waren seit 2000 zusammen – deswegen auch das Datum 2000. Danach hab ich also nur wirklich mit ihm Sexualität gelebt. Und der hat sich natürlich sofort testen lassen, war aber negativ. Ich hab den nicht angesteckt! Obwohl wir wirklich jetzt nicht irgendwie nur Händchen gehalten haben. Also deswegen weiß ich, dat muss vor 2000 gewesen sein, der Mann davor. Aber wo der ist, weiß ich nicht, hab ich keinen Kontakt mehr. Aber ist auch müßig. Ich bin froh, dass ich meinen Mann nicht angesteckt hatte!“ Ich frage, wie die Diagnose für die Beziehung der beiden war. „Ja, unsere Beziehung war eigentlich schon nicht mehr ganz in Ordnung, aber nicht durch die Diagnose. Also wir haben jetzt immer noch Kontakt, aber wohnen nicht mehr zusammen und sind mittlerweile auch geschieden, aber wir treffen uns noch. Hat aber jetzt mit dem HIV gar nichts zu tun. Das hatte sich vorher schon so abgebildet und er hat mich auch beim Krebs die ganze Zeit begleitet, auch mit dem HIV, mich immer unterstützt. Wenn ich Hilfe brauch, ist der da!“ Kennengelernt haben sich die beiden beim Tanzen. „Im Café Cuba damals. So ne Reggae Disko“, sie lächelt und schweigt für einen Moment. „Heutzutage fahr ich gerne zum Bahnhof Langendreer, da ist so ne Oldie Disko, da spielen die eben halt so die – Siebzigerjahre war ja meine Zeit und ich hör eben gerne Rockmusik, die Stones, Deep Purple und so weiter. Solche Sachen spielen die dann da und dann tanz ich dann immer mir den ganzen Frust aus dem Leib oder was auch immer man hat. Als ich das erste Mal nach der Krebsdiagnose wieder tanzen war, hab ich zu meinen Freundinnen gesagt: ‚Jetzt tanz ich mir den Krebs ausm Leib‘“, sie lacht. Wir sprechen darüber, wie es weiterging, damals, nach der HIV-Diagnose. „Ich war im Uniklinikum, drei Wochen da. Dann ging’s so weiter, dass ich am Anfang einmal im Monat dahin musste, zur Ambulanz, um zu checken, wie meine Werte sind. Jetzt bin ich im Drei-Monat-Rhythmus, nehm nur noch eine Tablette am Tag für die Infektion und bin 2014, direkt nachdem ich ausm Krankenhaus entlassen war, sofort hierher und hab mich hier ausgebreitet“, sagt sie lachend. „Dann wusste ich, wie dann hier so ungefähr was ist, hab das Café unten entdeckt, da kann man schön Mittag essen und solche Sachen, das hab ich dann natürlich genossen, Leute kennengelernt.“

Für X ist es wichtig, sich mit Menschen auszutauschen, die in ähnlichen Situationen sind, die verstehen, was sie durchlebt. „Ich glaube, egal was man hat, ob dat jetzt ne körperliche oder ne seelische Erkrankung ist oder auch andere Dinge, die vielleicht im sozialen Leben mal nicht so fluppen, das ist ganz wichtig, weil ich weiß, richtig verstehen kann mich eigentlich nur jemand, der eben auch die Krebserkrankung hat, oder oder oder.“ Aber auch bei Nichtbetroffenen, wie ihrem Exmann und engen Freundinnen, fühlt sie sich verstanden, auch wenn sie selbst nicht nachvollziehen können, wie es ist eine Krebs- oder HIV-Diagnose zu bekommen. Noch im Krankenhaus überlegt sie, wie sie mit der Diagnose umgehen möchte und entscheidet sich schnell dazu, es ihren nahen Freund:innen zu erzählen. Diese Entscheidung war für sie die richtige, da sie selbst entscheiden konnte, wann und wie sie den Leuten, die ihr wichtig sind, davon erzählt und nicht von anderen geoutet wird. In ihrem Umfeld gibt es keine negativen Reaktionen, keine bösen Überraschungen. Anders ist es jedoch beispielsweise im Gesundheitswesen. Beim Zahnarzt soll sie abends kommen, wenn keine anderen Patient:innen mehr da sind, aufgrund der falschen Annahme, sie könne jemanden anstecken. Solche Vorfälle lässt sie jedoch nicht stehen, stellt Dinge richtig, akzeptiert diese Art der Behandlung nicht. Bei der Aidshilfe unterstützt sie andere HIV-Positive bei solchen Arztbesuchen, geht mit und klärt auf, wenn Bedarf besteht.

Ich frage sie, was es mit ihr macht, wenn Leute so auf die Erkrankung reagieren. „Wütend, mich macht’s wütend. Aber viele andere gehen dann einfach woanders hin, zu nem anderen Arzt oder gehen gar nicht mehr, wat noch viel schlimmer ist. Ich selber verurteile mich ja nicht, weil ich HIV-positiv bin, aber das machen einige HIV-Positive. Die sagen: ‚Boah hätt ich doch mal bloß nicht!‘ – Selbststigmatisierung! Das mach ich nicht, deswegen kann ich auch so damit umgehen. Aber wenn ich da jetzt sitzen würde und stigmatisier mich schon selbst, und dann sagt mir noch n Zahnarzt son Mist dazu, oder schreibt dick auf die Krankenkassenkarte HIV-positiv drauf und solche Sachen, das geht natürlich gar nicht! Dann bin ich natürlich noch kleiner, dann schrumpf ich ja immer mehr. Eigene Stigmatisierung und dann noch von außen obendrauf. Vielleicht noch n geringes Selbstbewusstsein und schon ist ein Mensch wieder noch kleiner gedrückt. Und da versuch ich halt gegenzuarbeiten.“ Das tut sie durch Bildungsarbeit, die sie Rahmen der Aidshilfe in verschiedenen Bereichen leistet. So spricht sie zum Beispiel vor Schulklassen oder vor Mitarbeitenden im Gesundheitswesen. Auch da sind die Vorurteile und Wissenslücken teilweise erschreckend groß. Dass HIV-positive Menschen, wenn sie in Therapie sind und ihre Medikamente regelmäßig nehmen nicht mehr ansteckend sind; dass sie auf natürlichem Wege Kinder zeugen und auf die Welt bringen können, ohne dass diese HIV-positiv sind – auch diese Dinge, so erzählt mir X, wissen viele Mitarbeitende nicht. Sie berichtet mir von einigen Erfahrungen, die sie im Rahmen ihrer Bildungsarbeit gemacht hat, positiven wie negativen. Sie erzählt von Schüler:innen, von neugierigen, offenen Fragen – „Sieht man eigentlich, wenn jemand HIV hat?“ und ihrer entwaffnenden Gegenfrage: „Siehst du was?“. Aber auch von den Momenten, die sie traurig machen oder schlucken lassen. „Nachdem wir alles erzählt haben – auch ich, meine Lebensfreude und wie gut man davon leben kann – da hat ein junger Mann gesagt in der Altenpflegeschule: ‚Wenn ich die Diagnose kriegen würde, würd ich mich umbringen.‘ Den hab ich leider nicht erreicht. Manchmal ist das so.“

Wir sprechen weiter über Stigmatisierung und darüber, wie man damit umgeht, wenn andere Menschen oder man selbst sich die Schuld an der Erkrankung geben. Ich frage sie, ob sie jemals in Gedankenspiralen kam und sich gefragt hat, wie es zu ihrer Infektion kam und ob sie irgendwas hätte anders machen können. „Nein. Also ich hab glaub ich durch – also die Krebsdiagnose war vorher. Da hatte ich ja Depressionen bekommen, weil ich hatte kurz vorher ne Freundin durch Krebs verloren und meine Schwester und dann hab ich gedacht, jetzt ist vorbei. Und hab dann Depressionen – behandlungsbedürftige – entwickelt. Und da hab ich so viel gelernt! Ich hatte da Therapie, ich war in der Tagesklinik. Und da hab ich so viel für mich an Ressourcen und möglichen Sachen entdeckt. Und dann die Malerei. Da hab ich so viel gelernt, dass mich das nicht umgehauen hat.“ Wir sprechen über ihre Ressourcen, über die vielen Dinge, die sie macht, die ihr guttun. Zwischen all ihren Aktivitäten genießt sie auch Zeit allein. „Ich nehme mir auch ganz bewusst meine Auszeiten, wo ich dann wirklich einfach nur zuhause schön lese oder male oder koche oder es mir gut gehen lasse, Musik höre.“ Aber auch der Austausch in der Selbsthilfegruppe, die sie 2010 nach ihrer Krebsdiagnose mitgegründet hat, gibt ihr viel Halt. Die beiden anderen Mitbegründerinnen sind mittlerweile bereits verstorben, an Krebs. Ich frage sie, wie sie mit Verlusten umgeht. „Ich hab mich ziemlich früh schon mit dem Tod auseinandersetzen müssen, weil ich hab meinen Vater verloren, da war ich erst 19. Der ist in meinem Arm gestorben. Und da hab ich mich viel – damals schon – mit dem Tod auseinandergesetzt. Kübler-Ross und so gelesen und anderes, alles versucht zu lesen, hab mich viel mit auseinandergesetzt. Guck auch Filme, wenn da mal was im Fernsehen kommt, ne Dokumentation und so. War ja mit im Hospiz, ne Freundin begleitet, hab da Kontakt gehabt. Und ja, mittlerweile ist es so – ich mein, man weiß ja nie, was kommt – aber … son Schrecken hab ich jetzt nicht vorm Tod. Eher vor dem vorherigen Leiden vielleicht, wenn ich Schmerzen hätte. Aber vor dem Tod an sich nicht. Ich find’s eher spannend, wenn dat dann mal – ich hoffe, wenn ich hundert bin, erst – kommt.“ Sie lacht. „Ich möchte alt werden, ich möchte noch nicht sterben.“ Sie erzählt mir mehr von dem Tod des Vaters. „Mein Vater ist ganz ruhig – der hat noch nen Schnaufer getan und ist dann eingeschlafen. Das war jetzt nicht erschreckend.“

Als ihr Vater starb, war er bereits 87. Sie hatten ein sehr enges Verhältnis. „Ich möchte keinen anderen gehabt haben, obwohl ich ihn ja nur so kurz hatte.“ Eine Schwester und ein Bruder sind ebenfalls bereits verstorben, genau wie ihre Mutter. Mit der Schwester, die noch lebt, hat sie so gut wie keinen Kontakt mehr. X kommt gebürtig aus Essen, wohnt immer noch – jetzt wieder – in der Wohnung, in der die Familie eingezogen ist, als sie ein Jahr alt wurde. Als ihre Mutter an Krebs erkrankt, beschließt sie, zurück in die Wohnung zu ziehen, um sich um ihre Mutter zu kümmern. „Sie war auch noch so, dass sie noch alleine einkaufen konnte und so – ihr ging’s noch gar nicht schlecht. Und dann ist sie, weil sie nen schwaches Herz hatte, einfach nachts mal eingeschlafen. Dann haben wir se gefunden, da hatte se noch so ne Frauenzeitschrift in der Hand, lag so auf der Seite, Brille auf, ne? Frikadellen-Rezept war das letzte, was sie gesehen hat“, wir lachen beide. „Da hab ich auch gedacht: ‚Ja, die ist einfach mit dem Heftchen in der Hand eingeschlafen‘. Besser geht’s auch nicht! Deswegen sag ich mir, das wird mir genauso gehen. Ich werd einfach irgendwie so einschlafen.“

Nach dem plötzlichen Tod der Mutter bleibt sie in der Wohnung. Mit einer ihrer Nachbarinnen ist X bereits zur Schule gegangen; auch sie kehrt in das Haus zurück. „Ich fühl mich da auch zuhause“, sagt sie lächelnd. Ihr Zuhause ist in Katernberg. Wir sprechen über den Essener Norden und über die Vorurteile, die ihr aufgrund ihres Wohnorts manchmal entgegengebracht werden. „Ich mein, ich krieg das ja mit, aber da ich n Kind bin des Essener Nordens – ich fühl mich da wohl, ich möchte gar nicht woanders wohnen.“ Die Stigmatisierungen kann sie nicht nachvollziehen. „Manches wird auch überspitzt dargestellt. Ich mein, das was jetzt zum Beispiel in Altendorf passiert ist, ist mit Sicherheit nicht schön, aber deswegen ist dat da jetzt nicht ne No-go-area oder so was. Also diese Begriffe – auch Bahnhof Altenessen, wo ich umsteige. No-go-area…“, sie schüttelt den Kopf. „Na klar gibt’s Bösewichte, die gibt’s überall.“ Sie fährt fort: „Was ich eher festgestellt hab, ist, wenn ich mit meinem Exmann unterwegs war, dass man dann blöde angemacht wird.“ Ihr Exmann ist in den Achtzigern aus Nigeria nach Deutschland gekommen und ist Schwarz. Leider haben sie öfters rassistische Übergriffe erleben müssen. „Aber wenn irgendwas ist, ich stell mich auch vor andere Leute vor. Also wenn jetzt irgendjemand angegangen wird, egal wer. In Bus und Bahn. Vielleicht bin ich da manchmal zu mutig, ich weiß es nicht, bis jetzt ist mir – toi toi toi – noch nichts passiert. Aber da sag ich schon was dazu.“ Ich frage sie, was diese Übergriffe auf ihren Mann mit ihr gemacht haben. „Mich macht sowat immer wütend. Weil sowas muss nicht sein. So diese gegenseitige – ne!“ Ihr fällt es schwer, rassistisches Verhalten zu verstehen.

Sie erzählt mir, dass sie als Kind schon immer eine große Offenheit allen Menschen gegenüber verspürt hat, nicht verstehen konnte, warum manche Menschen anders behandelt werden. Sie erzählt mir von Filmen über den afrikanischen Kontinent, die sie früh gesehen und von deren Orten sie geträumt hat. „Oder ich hatte nen Atlas und dann bin ich immer da schon gereist in dem Atlas. Ich hatte immer schon son Hang zu Afrika.“ Zwei Mal war sie bereits in Nigeria. Gerne würde sie wieder dorthin reisen, vielleicht eine Zeitlang in dem Land leben. Was sie davon noch abhält, ist ihre Medikamentensituation. Die Sorge ist groß, dass sich ihre HIV-Medikation nicht verträgt mit Medikamenten und Impfungen, die sie für die Reise nehmen müsste, oder dass ihr Immunsystem, das stark heruntergefahren ist, Erreger nicht richtig abhalten kann. „Hepatitis B muss zum Beispiel bei mir öfter nachgeimpft werden, weil einfach dat nicht richtig aufgebaut wird.“ Trotzdem glaubt sie, dass sie irgendwann wieder nach Afrika reisen kann.

Ich blättere weiter in den Fotos. Das nächste Bild zeigt einen Tisch mit Gesellschaftsspielen. „Wir spielen hier unten im Café sonntags immer Spiele.“ Zu günstigen Preisen gibt es dazu Kaffee und Kuchen. Gesellschaftsspiele findet X immer schon toll, spielt schon als Kind viel mit ihren Eltern und Geschwistern. „Ich hab natürlich auch Freundinnen, die gar nichts mit Aids und Aidshilfe zu tun hatten, da hab ich gesagt: ‚Mensch, kommt doch mal mit spielen!‘ und so erweitert sich der Kreis dann.“ Das nächste Foto zeigt Karten von den Essener Rundwanderwegen. „Ich geh ja gerne wandern!“ Auch den neuen Essener Wanderweg – den Zollvereinsteig – hat sie bereits angefangen, zu laufen. Auch das Kochangebot „Cook for fun“ hat sie fotographisch festgehalten. Jede Woche wird gemeinsam überlegt, was zusammen gekocht werden soll, in der Küche der Aidshilfe. Der Ehrenamtliche, der das Angebot leitet, ist gelernter Koch und gibt den Besucher:innen beim Kochen viele Tipps. „Nächste Mal machen wir zum Beispiel Makrele, aber frische Makrele, dann im Backofen. Schön mit Rosmarinkartöffelchen und Salat dabei.“ Ungefähr acht bis zehn Leute sind regelmäßig dabei – „Gegessen wird gerne“, sagt X lachend.

Das nächste Bild, das ich zwischen uns lege, ist auf der ATT entstanden, erklärt X mir, einer Astronomie und Technik Börse, der größten Astronomiemesse Europas. X ist Mitglied bei der Walter Hohmann Sternwarte hier in Essen. „Ich bin zwar jetzt nicht son totaler Freak und Crack, dass ich da wer weiß wie mich mit auseinandersetze, aber ich find das Thema an sich faszinierend. Ich verfolge auch im Moment hier dieses – unser neues Teleskop, was da oben rumschwirrt, hab mir die Aufnahmen schon angeguckt. Faszinierend!“ Ich frage sie, ob sie weiß, woher ihre Faszination am Weltall kommt. Ja, antwortet sie direkt und erzählt mir von einer Situation, als sie in Nigeria war. Von einer stockdunklen Nacht. „Ich lieg da so auf soner Bank und ich bin fast reingefallen! Sowas kenn ich natürlich von hier nicht so extrem, aber son bisschen, wenn man so in den Himmel guckt, diese Weite! Da geht mein Herz auf!“

Das nächste Foto ist im Grugapark entstanden. Sie hat eine Karte für die Gruga, geht regelmäßig und gerne dorthin. Das Foto, das sie gemacht hat, zeigt eine Skulptur. Wir reden über Kunst und ich frage X, ob sie weiß, wann ihr als junger Mensch die Kunst abhandengekommen ist. „Ja. Ich bin ja zur Hauptschule gegangen. Mit 14 konnte man damals schon aufhören, nach der neunten Klasse. Obwohl ich den Qualifikationsvermerk für die zehnte Klasse hatte, wollte ich aber arbeiten gehen, weil meine Schulfreundinnen auch arbeiten gingen. Und dann bin ich zum Arbeitsamt gegangen mit meiner Mutter – mit 14 war ich nicht so wie heute, ist klar. Und hatte aber trotzdem meine Mappe mit meinen Bildern unterm Arm. Nur das wollte keiner sehen. Ich wollte gerne irgendwas machen, was mit Bildern zu tun hat, ob jetzt Malerin, Design oder Gestalten oder keine Ahnung. Ich war nicht stark genug – oder selbstbewusst genug – das dann da – ‚Ich will aber!‘ Somit bin ich aber dann Zahnarzthelferin geworden. Die haben nachgeguckt, wo ich nicht so weit fahren muss. Arzthelferin ging noch nicht, da musste man 16 sein, weil Menschen sich da ja schon mal ausziehen. Aber Zahnarzt ging. Und da jetzt hier nen Zahnarzt war bei uns in der Nähe – ich brauchte nur nen paar Haltestellen mit dem 170er. Und zack – war ich beim Zahnarzt.“

Ich frage sie, ob sie es manchmal bereut hat, dass es so gelaufen sind. „Na, sagen wir mal so, der Beruf ist eigentlich ein schöner Beruf, kann man nichts sagen. Man verdient nur nicht viel Geld. Und wenn man dann noch 2010 in eine volle Erwerbsminderungsrente kommt … ich bin zusätzlich auf Grundsicherung angewiesen, so. Deswegen würde ich einen anderen Beruf ergreifen. Und zwar einen, wo man eben etwas mehr Geld verdient. Ansonst find ich den Beruf eigentlich schön. Schade, dass die Zahnärzte, die eigentlich genug Geld verdienen, so knickrig sind. Aber gut, es ist wie es ist. Jetzt kann ichs sowieso nicht mehr ändern, von daher – ich hab das akzeptiert, wie es ist, ich leide jetzt nicht darunter.“ Wir sprechen über die Erwerbsminderungsrente und wie der Prozess dorthin verlief. „Es war auch gar nicht so gedacht, dass ich in Rente gehe. Ich bin aus beiden Rehas arbeitsunfähig entlassen worden, dann lief das Krankengeld aus. Dann hab ich aber noch Anspruch auf Arbeitslosengeld I gehabt, weil ich bis dahin noch gearbeitet hab. Und dann hat das Arbeitsamt mich aufgefordert, nen Rentenantrag zu stellen.“ Es dauert keine zwei Wochen nach Abschicken des Antrags, bis sie Bescheid bekommt, dass sie in der vollen Erwerbsminderungsrente ist. „Ich hatte eigentlich gedacht, ich krieg ne Weiterbildung, machste nochmal wat. Aber dann…“ – „Wie war das dann vom Gefühl?“, frage ich nach. „Gut, haste Zeit.“ Trotzdem kommt die Entscheidung plötzlich und überraschend. „Ich hab da überhaupt nicht mit gerechnet, weil ich aus der Selbsthilfe wusste – ich hab Frauen da gehabt, die waren so schwer krank, metastasiert, die haben die Rente nicht mehr erlebt! Weil die immer wieder abgelehnt wurde. Die sind gestorben, bevor se überhaupt, ne? Deswegen hab ich gedacht: ‚Och, dat dauert Jahre!‘ Ich bin nen Glückskind, wenn du so willst, was das angeht. Heute weiß ich, Zeit ist so wertvoll. So wertvoll.“

„So leb ich dann seitdem“, fährt sie fort. Als ihr Mann und sie sich trennen und sein Einkommen wegfällt, musste sie Grundsicherung beantragen. Ich frage sie, ob sie finanziell damit zurechtkommt. „Also bisher, ja. Ich weiß ja nicht, was jetzt noch so kommt. Also die 200 Euro, die jetzt da mehr kamen, die leg ich wirklich beiseite, um eventuell Strom oder so – ich hab auch ne Gasheizung, mein Vermieter hat schon die Pauschale erhöht. Also ich leg’s beiseite. Ich würd’s zwar gerne jetzt auf den Kopp hauen, wenn man mit dem 9-Euro-Ticket mal unterwegs sein kann. Aber ich leg’s beiseite. Da hab ich son bisschen Sicherheitsdenken. Ich überzieh auch nicht mein Konto. Ich darf es bis 100 Euro zinsfrei überziehen, das ist dann mal – aber das ist höchstens mal ein Euro oder zwei. Weil ich will das gar nicht.“

Wir kommen zurück auf ihre Ausbildung und auf das Malen, mit dem sie aufhört, als sie beginnt zu arbeiten. „Ja, irgendwie, dann ging man arbeiten, hat andere Leute kennengelernt, Berufsschule. Und dann ist das irgendwie son bisschen verlorengegangen nachher. Ich hab zwar immer so nen bisschen irgendwo was gekritzelt, in sämtlichen Schulheften und so weiter.“ Mit 17 beendet sie die Ausbildung, arbeitet zunächst weiter in der Praxis. Dann hatte ich irgendwie das Gefühl, eigentlich möchtest du nochmal zur Schule gehen. Gar nicht, um mir jetzt mehr Wissen anzueignen, sondern ich hatte das Bedürfnis, nochmal zur Schule zu gehen. Und dann hab ich mich erkundigt, und dann gab’s ja hier in Essen das Ruhrkolleg, ganztags Schule, wo man bis zum Abi gehen kann. Drei Jahre dauerte das. Aber da ich nur den Hauptschulabschluss hatte, musste ich ein Jahr lang vorher zur Volkshochschule gehen: Mathe, Deutsch, Englisch und Latein oder Französisch. Ich hab Latein gewählt, weil ich dachte, das ist einfacher. Und das hab ich ein Jahr lang jeden Abend gemacht nach der Arbeit, und dann 1982 bin ich dann am Ruhrkolleg angefangen. Da hab ich dann aufgehört zu arbeiten, hab Bafög gekriegt und Halbwaisenrente. Da war ich reich fast!“, sie lacht. „500 Mark Bafög und dann nochmal so 800 Mark Halbwaisenrente, durch meinen Papa, weil der ja schon nicht mehr war.“ 1985 macht sie ihr Vollabitur, möchte als nächstes Zahnmedizin studieren. „Da musste man noch son Test machen und ich war Warteplatz 700, also gar nicht mal so viel. Aber dann kam ne Trennung und dann konnt ich mir das alles nicht mehr leisten, weil danach hätte ich dann nämlich kein Bafög mehr gekriegt. Dann bin ich ein bisschen in der Heilpraktikerschule gewesen, aber das konnt ich mir dann auch nicht mehr leisten, weil das musstest du auch selbst alles bezahlen. Und dann hab ich ein bisschen gejobbt. Und irgendwann war ich wieder Zahnarzthelferin“, sie lacht. „Aber trotzdem, die Zeit, wo ich dann Abi gemacht hab, war schon super. Tolle Zeit!“

Ich frage sie, ob es sie sich manchmal ärgert, dass ihre weitere Ausbildung am Geld gescheitert ist. „Ja, das war natürlich schade. Aber ich kann’s ja jetzt nicht ändern. Dat Schöne is, dass ich es kann, zu sagen: ‚Leute, es ist so, wie es ist. Ich kann’s jetzt nicht ändern, rückwirkend sowieso nicht. Ich kann nur nach vorne gucken und gerade im Hier und Jetzt was machen.‘ Und ich mein, es ist nicht so, als wenn ich mich jetzt nicht bilde. Ich hab zum Beispiel den Vorteil – und den nutz ich weidlich aus – in der Volkshochschule krieg ich 80 % Ermäßigung. Durch die Grundsicherung. Malkurse hab ich gemacht, Theater, ich hab Sprachen gemacht.“

X blickt glücklich auf ihr Leben. „Ich bin froh, dass ich die Sachen alle gemacht hab. Ich wollte zum Beispiel auch nie Kinder, das war für mich schon mit 16, 17 klar. Ich hab dann auch sofort, weil ich dachte: ‚Jetzt könnteste mal Sex haben‘ – hab angefangen, die Pille zu nehmen. Drei Monate bevor ich erste Mal Sex hatte, hab ich schon die Pille genommen, um ganz sicher zu gehen“, sie lacht. Wir reden über Kinder, über das Eltern-Sein. „Ich wollt die Verantwortung nicht übernehmen. Weil ich glaub, das ist die allergrößte Verantwortung, die ein Mensch in seinem Leben haben kann: für Kinder. Ich hab mir das vielleicht nicht so zugetraut und ich hab auch nen zu großen Freiheitsdrang und ich wusste nicht, ob ich dem gerecht werden könnte.“

Von ihrem ersten Gehalt als Ausgelernte in den Siebzigern bucht sie einen Urlaub in Spanien, vier Wochen an der Costa Brava. Sie reist allein, trifft viele Menschen, lernt einen jungen Spanier kennen, der über den Sommer in dem Hotel jobbt, in dem sie wohnt. Sie unternehmen viel zusammen, er zeigt ihr Orte abseits des Tourismus, abends tanzen sie in Diskotheken. Sie lächelt viel, als sie von diesem ersten Urlaub erzählt. „Ich fahr gerne allein weg! Heute mach ich dann halt nicht mehr vier Wochen Urlaub, sondern ich mach zum Beispiel mit Graf-Reisen einen Tag Scheveningen, ganz alleine, ohne dass jemand mitfährt, ganz bewusst so gewählt.“ Reisen war für sie immer schon ein großes Thema. „Gerade mit dem Wohnmobil war ich gerne unterwegs. Aber gut, Auto, Wohnmobil, geht nicht mehr. Aber ich bin froh, dass ich diese Dinge alle gemacht habe. Und nicht gesagt hab: ‚Ach, das kannste machen, wenne Rentner bist.‘ Deswegen sag ich auch jungen Leuten – wenn die sagen: ‚Boah hast du schöne Sachen gemacht!‘ – sag ich immer: ‚Mach se jetzt! Du weißt nie, wann es vorbei ist. Du kannst krank werden, du kannst wat weiß ich was haben. Arbeitsplatzverlust und nix wiederfinden. Oder irgendwas kann passieren, wo dat dann alles nicht mehr geht. Machet jetzt!‘“

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